Christoph Martin Wieland- der Mann, von dem Sprüche wie „den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“ oder auch „und minder ist oft mehr“ stammen. Der Mann, der ein Vertreter der Aufklärung und Wegbereiter der Weimarer Klassik war. Der Mann, der eine Zeit lang der meistgelesene und bestbezahlte Schriftsteller des 18.Jahrhunderts war. Der Mann, auf den Biberach so stolz ist. Doch was hat er hier überhaupt erlebt?
Bekannt ist er nämlich hauptsächlich durch seine Zeit in Weimar, weshalb ich im Zuge meiner GFS mit unserem Deutsch Grundkurs der J1 dieser Frage in der Stadt nachgehen wollte.
Zuerst stellten wir fest, dass das erste Denkmal für den Dichter in Biberach nicht einmal 70 Jahre nach seinem Tod errichtet wurde- die Büste am Fuße der Stadthalle. Diese entspricht allerdings nicht mehr der originalen. Daraufhin betrachteten wir den Esel auf dem Marktplatz genauer und bemerkten, dass er mit Wielands Zeit in Biberach nicht direkt in Verbindung steht, sondern die Geschichte „Der Prozess um des Esels Schatten“ aus einem Roman dieses Dichters darstellt.
Anschließend wollten wir uns dem Lebenslauf Wielands in Biberach widmen. In Oberholzheim, das damals zu Biberach gehörte, wurde der Dichter 1733 geboren. Im Alter von drei Jahren zog er dann mit seiner Familie in die Biberacher Innenstadt. Sein Elternhaus in der Waaghausstraße war auch der nächste Halt der Führung. Danach ging es weiter zur ehemaligen Lateinschule in der Zwingergasse, in der Wieland ab dem Alter von sechs Jahren für drei Jahre unterrichtet wurde. Interessant dabei ist, dass er sein Examen bereits fünf Jahre vor der Zeit machte und dem „Biberacher Bildungsmilieu“ schon mit 14 Jahren entwachsen war. Für einen kleinen Schock sorgte der Fakt, dass Wieland sich im Alter von 17 Jahren mit seiner drei Jahre älteren Cousine Sophie, die besser durch ihren späteren Namen „Sophie von La Roche“ bekannt ist, verlobte. Die Beziehung hielt allerdings nicht lange.
Von der Lateinschule weiter ging es dann zur ehemaligen Stadtkanzlei, die in der heutigen Fielmann Filiale in der Hindenburgstraße war. Dort lebte und arbeitete Wieland als Kanzleiverwalter für neun Jahre und war auch als Schriftsteller sehr aktiv. Aufgrund eines Streites um sein Gehalt als Kanzleiverwalter musste er dabei das erste und einzige Mal um des Geldes willen dichten. Erstaunen machte sich breit, als der weitere Verlauf seiner Beziehungen erzählt wurde. Denn, nachdem seine nächste Beziehung aufgrund der unterschiedlichen Konfessionszugehörigkeit zugrunde ging, heiratete er die um einiges jüngere Anna Dorothea, die keine seiner Schriften je gelesen hatte. Mit ihr bekam er 14 Kinder.
Dem vielen bekannten Komödienhaus statteten wir danach einen Besuch ab, in welchem die Erstaufführung des Shakespeare-Stückes „Der Sturm“ auf deutschem Boden unter der Leitung von Wieland stattfand. Mit seinen insgesamt 22 Shakespeare-Übersetzungen, die allesamt in Biberach erfolgten, löste er die deutsche Shakespeare-Faszination aus.
Zum Schluss gingen wir noch in den Wieland-Park, in welchem auch das Gartenhaus, in dem Wieland für drei Jahre eingemietet war, steht. Hier konnte er ungestört seine Werke verfassen. Unsere kleine Wieland-Reise beendeten wir mit einem Quiz.
So konnten wir am Ende feststellen, dass Wieland viel in Biberach erlebt hat und ihn diese Zeit für sein weiteres Leben und Schaffen geprägt hat.
Doch unsere Wieland-Reise ist damit noch nicht beendet. Denn da das Wieland-Archiv aufgrund zahlreicher Werke von Wieland und einer rekonstruierten Bibliothek des Dichters äußerst interessant ist, werden wir dieses noch nach den Ferien besuchen.
Text: Dorothea Morath, J1
Fotos: J1